Konzert des „Consort Ripieno Concertino“
am 16. August 2026 in der Christuskirche Berchtesgaden
„BACH plus“ betitelte das renommierte Salzburger Kammermusikensemble „Consort Ripieno Concertino“ mit seinem Leiter Matthias Müller-Zhang seinen jüngsten Auftritt in der Berchtesgadener Christuskirche. Zweimal im Jahr konnte man bisher ihre Gastkonzerte erleben. Sie sind mittlerweile fester Bestandteil der hiesigen Kirchenkonzerte geworden. Der stimmungsvolle Kirchenraum und die günstige Akustik schaffen ideale äußere Voraussetzungen für ein echtes musikalisches Erlebnis.
Das Konzertprogramm umfasste diesmal Werke des Spätbarock und der Frühklassik: Zweimal Bach, einmal Vivaldi und einmal Mozart – in wechselnder Besetzung.
Den Beginn machten Präludium und Fuge in a-moll (BWV 543) von Johann Sebastian Bach (über den Beethoven sagte, er müsse eigentlich nicht „Bach“, sondern „Meer“ heißen). Ca. 1715 in der norddeutschen Orgeltradition (Dietrich Buxtehude, Johann Mattheson) entstanden, ist es ein von Spieltechnik und Koordination anspruchsvolles Werk gewaltiger Dimensionen mit einem atemberaubenden Abschluss., das dem Organisten – hier: Markus Stepanek – einiges abfordert und bei der Zuhörerschaft einen Nachhall erzeugt, bis der Applaus einsetzt.
Nächster Programmpunk war das Konzert Nr. 2 für Querflöte, Streicher und Basso Continuo (opus 10 Nr. 2) von Antonio Vivaldi, einem der produktivsten und vielseitigsten Komponisten des Barocks. Das sechssätzige Stück hat den Beinamen „La Notte“, weil der zweite Satz nächtliche Gespenster und der fünfte einen Traum schildern soll. Vivaldi, der ja oft im Ruf des Vielschreibers steht, hat hier ein besonders originelles und virtuoses Stück geschrieben. Es beginnt in geheimnisvollem piano mit interessanten Harmonien und baut Spannung auf, um urplötzlich in ein spukähnliches Allegro zu fallen. Langsame und halsbrecherische Passagen wechseln sich ab und enden in einem plötzlichen, unerwarteten Schluss. Entsprechend hoch sind die Ansprüche, die an die Soloflötistin gestellt werden. Irmgard Messin gelang es, mit traumwandlerischer Sicherheit den enormen virtuosen Ansprüchen gerecht zu werden wie auch die langsamen, atemholenden Passagen mit klarem, aber sensiblem Ton auszufüllen und damit die Spannung stets aufrechtzuerhalten. Fantastisch!
Anstelle einer Pause spielte – gewissermaßen als Kontrapunkt und zum Atem holen – David Zhang vier kurze moderne Orgelstücke aus dem Schweriner Orgelbuch von Jan Ernst, mit interessanten Harmonien und voll ausgeschöpften Registern.
Wolfgang Amadeus Mozart hat bereits als Kind und als Jugendlicher komponiert. Wie groß seine musikalische Fantasie und Schaffenskraft war, beweist das Musikstück, dass Consort Ripieno Concertino als nächstes darbot: Das Divertimento in F-Dur (KV 138) schrieb er mit 16 Jahren; bis dahin hatte er also bereits 137 Werke geschrieben! Es ist eigentlich für Streichorchester konzipiert (der Untertitel lautet „Salzburger Symphonie“), wird auf Grund seines intimen Charakters aber auch – wie hier – in kammermusikalischer Besetzung, also als Streichquintett aufgeführt. Überwiegend heiter gleitet die Musik dahin, aber Mozart wäre nicht Mozart, wenn nicht gelegentliche Überraschungen kämen, so im ersten Satz zahlreiche Vorhalte mit Scheindissonanzen oder Pizzicatostellen mit Nachtmusikcharakter oder der – nach einer Generalpause – überraschende Schluss. Leicht, locker und lebendig musizierten die fünf Streicher. (Der Kontrabass könnte vielleicht sogar noch etwas mehr zurückgenommen werden.)
Zu den bedeutendsten reinen Instrumentalstücken von Johann Sebastian Bach zählen die 1721 entstandenen sechs Concerti grossi, die sog. Brandenburgischen Konzerte, die er dem musikliebenden Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg gewidmet hat. Das Hauptwerk dieses Abends, das Konzert Nr. 5 in D-Dur, nimmt hier insofern eine Sonderstellung ein, als das Cembalo (hier: Markus Stepanek) nicht nur die im Barock übliche Begleitfunktion des Generalbasses hat, sondern neben Flöte (hier wieder: Irmgard Messin) und Violine (hier: Matthias Müller-Zhang) auch als Soloinstrument tritt. Es ist sozusagen der Vorläufer der künftigen Klavierkonzerte. Der erste der drei Sätze hat ein festlich beschwingtes Hauptthema, das von den Soloinstrumenten immer wieder unterbrochen wird, und zwar überwiegend durch Sechzehntel- und Zweiunddreißigstelläufe des Cembalos. Ihm wird sogar eine Kadenz eingeräumt! Der Mittelsatz wird ausschließlich von Flöte, Violine und Cembalo bestritten. Sein schwermütiger Charakter bleibt jedoch nicht lange aufrechterhalten, sondern alsbald vom temperamentvollen Tutti-Finale abgelöst, das den Solisten noch einmal reichlich Gelegenheit zu brillieren gibt. Und das gelang ihnen – wie der Beifall zeigte – bravourös, wie überhaupt alle sieben Musiker spieltechnisch wie musikalisch überzeugt haben.
Übrigens: „Nach dem Konzert“ ist „Vor dem Konzert“! Am 3. Oktober ist es wieder soweit.
Roland Beier
