Jubiläumskonzert und Geburtstags-Gottesdienst
40 Jahre Schöpfungskirche Bischofswiesen
Einen doppelten runden Geburtstag gilt es heuer in Bischofswiesen zu feiern: Den 100. Geburtstag der Pfarrkirche Herz Jesu und den 40. Geburtstag der sozusagen „jüngeren Schwester“, der Schöpfungskirche, die am Wochenende mit zwei Veranstaltungen und in ökumenischer Gemeinschaft zeigte, wie sehr auch und gerade heute Kirche als Heimat erlebt werden kann. Nicht zuletzt mit Musikern, die schon 1986 beim Kirchenzug von der älteren katholischen zur neuen evangelischen Kirche mit dabei waren.
Jubiläumskonzert am Vortag
Samstagabend wurde das Geburtstagskind mit wunderschöner Volksmusik gefeiert, ganz in Luthers Tradition, dass Musik ein Geschenk Gottes sei, den Teufel vertreibe und die Menschen fröhlich mache: Der Wartstoa Dreigsang berührte mit klaren Stimmen und Liedern, die Kraft und Dankbarkeit schenkten. Die musikalisch vielseitige Antonibergmusi begeisterte mit ihren Klängen und Rhythmen, und die kleine, feine Auswahl der Bischofswieser Bläser füllte mit ihren Weisen den Resonanzraum der Kirche mit Wohlklang. Das Geburtstagskind hat offenbar eine sehr gute Akustik mitbekommen.
Entstehungsgeschichte der Schöpfungskirche
Pfarrer Christian Gerstner moderierte diesen Abend mit viel Wissen und Humor. So erinnerte er auch an den damaligen Pfarrer Hans-Peter Wagner (heute im Ruhestand), dessen Verhandlungsgeschick man sowohl den Grundstückstausch für die Kirche, als auch den verhinderten Rücktausch verdankte, mit den Worten „a Hund war er scho“. 1986 zu Erntedank wurde diese Kirche dann eingeweiht – durch das Engagement des Ev. Kirchenvereins Bischofswiesen e.V. kamen später innerhalb eines Jahres 95000 DM an Spenden zusammen für die fehlenden Glocken. Und auch die symbolhaltigen Bildtafeln des einheimischen Künstlers Christoph Merker konnten durch Sponsoren finanziert werden. Mit einer Orgel und diversen beweglichen Dingen wurde das Geburtstagskind nach und nach zu einem multifunktionalen Schmuckstück.
Geburtstags-Gottesdienst am Sonntag
Laut Pfarrer Gerstner, der auch den Geburtstags-Gottesdienst in der voll besetzten Kirche feierte, sollte gerade der Holzcharakter die Atmosphäre des Stalls von Bethlehem einfangen. Dabei sei der Name gleichzeitig auch Auftrag an die Menschen, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Dazu hatte Pfarrer Gerstner die passenden Lieder ausgesucht, die zu freudigem Mitsingen der Gemeinde einluden, zum Teil mit Gitarrenbegleitung durch Sina Parma, die beschwingten Musikstück begleitete Monika Nestle an der Orgel.
Da aber in einer lebendigen Gemeinde alle etwas beitragen können, leitete Pfarrer Gerstner schließlich die Kinder zum Bau einer bunten Kirche aus Karton-Quadern an. Auch der Bischofswieser Bürgermeister Wolfgang Fegg beteiligte sich daran, der dann in seinem Grußwort von seiner evangelischen Mutter erzählte und von seiner Hoffnung, dass auch in Zukunft die gleichen Werte gefeiert werden können, da evangelische und katholische Christen doch den gleichen Gott hätten. Gemeindereferentin Birgit Hauber überbrachte als Symbol-Geschenke Trauben, Kriacherln und Zitronen aus dem Garten von Monsignore Dr. Frauenlob, allerdings als Aufstriche, denn so Hauber „Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Marmelade draus.“ Die langjährige Prädikantin Ruth Landes brachte schließlich Samenkarten für alle als Erinnerung an den heutigen Festtag und als Hoffnung für die Zukunft. Auch eine Art Interview hatte Pfarrer Gerstner noch eingebaut, um verschiedene Meinungen zur Schöpfungskirche zu hören: „Sie ist nahe, hat einen nahen Parkplatz, einen barrierefreien Eingang und gute Stühle.“ – „Ich mag sie, weil sie gerade so alt ist wie ich.“ „Ich finde es toll, dass die Konfis da drin übernachten dürfen.“
Abschluss des Gottesdienstes und Ausklang
Das Vaterunser mit Bewegungen (angeleitet von Sina Parma, unterstützt durch die anwesenden Kinder) passte ebenfalls bestens zu dieser Geburtstagsfeier, bei der in den Fürbitten auch all derer gedacht wurde, denen es weniger gut geht, die unter Naturkatastrophen oder Gewalt und Krieg leiden müssen. Mit einem Segen und der Bitte um Luft, Feuer, Wasser und Erde für alle Menschen beschloss Pfarrer Gerstner den Gottesdienst und lud zum anschließenden gemeinsamen Mittagessen ein (vorbereitet von einem großen Helferkreis) und zu Gesprächen, was von vielen Menschen auch gerne angenommen wurde. Kirche als Heimat erfahren – das konnte hier gemeinsam gelingen und Hoffnung für die sicherlich nicht einfacher werdende Zukunft machen.
Text: Ursula Kühlewind; Fotos: G. Kühlewind (Galerie 1) bzw. W. Sauer (Galerie 2)
